"Und Allah leitet, wen er will, auf einen geraden Weg" (Quran 2: 213)

"Wahrlich, dieser Quran leitet zum wirklich Richtigen".  (Quran 17:9)

 
 


Die Haddstrafen (Grenzstrafen)

 

Das Wichtigste ist nicht zu wissen, was verboten ist, damit man bestraft wird, sondern das Wichtigste ist zu wissen, was man darf und wie man sich verhalten soll.

Das Ziel kann niemals sein, bestraft zu werden oder eine verboten Tat zu begehen, sondern sich rechtschaffen zu verhalten. Deswegen werden wir zuerst lernen, was wir dürfen, damit wir verstehen, warum wir etwas nicht dürfen.

Haddstrafen sind Strafen nach islamischen Recht, die zum Schutz des Eigentums, der öffentlichen Sicherheit und der Moral verhängt werden, und als „Rechtsprechung Gottes“ gelten. Der Zweck der Strafe liegt nicht im Schadensausgleich, sondern dient der Abwendung von Schaden durch Abschreckung.

      

Hadd- Vergehen (Grenzvergehen)

- Ehebruch und Unzucht

- Verleumdung wegen Unzucht

- schwerer Diebstahl

- schwerer Straßen- und Raubmord

- der Genuss von Wein (Alkohol und Drogen)

- Homosexualität

- Vergewaltigung 

 

Zeugenrecht der Scharia

- es muss freiwillig sein

Ein Geständnis oder eine Zeugenaussage ohne Folterung und Korruption

- Der Geständige muss mündig sein

Kinder, die nicht die Pubertät erreicht haben, sind im Islam schuldunfähig.

- geistig gesund sein

- Vorsätzliches Handeln

Der Beschuldigte weiß ausdrücklich, dass seine Tat verboten ist und unter Strafe steht.

 

Haddstrafen

- Steingung

- Kreuzigung

- Enthauptung

- Abschneiden von Händen und Füßen (wechselseitig)

- Auspeitschung

 

Quisas- Vergehen (Verbrechen mit Wiedervergeltung.)

Mord und Totschlag gehören nicht zu den Kapitalverbrechen, sind aber eine Verletzung des Menschenrechts.

Blutgeld oder religiöse Bußleistung.

Blutrache ist einer vorislamische Institution  und gehört daher nicht zur Religion.

 

Tacsir- Vergehen (Ermessungsvergehen.)

Eine Straftat, die weder ein Kapitalverbrechen ist, noch mit Wiedervergeltung abgerechnet wird.

Das sind: Aufruhr, Beleidigung, Bestechung, Urkundenfälschung, Unterschlagung, Verkehrsverstöße, Betrug, Erpressung, Kidnapping.

Die Strafe liegt da bei Einkerkern, Verbannung, Auspeitschung, Geldstrafe oder Todesstrafe.

 

Das Problem bei der islamischen Rechtsprechung ist, dass es kein einheitliches, feststehendes Gesetz gibt. Ein Verbot oder ein Gebot ist immer an Bedingungen geknüpft, deswegen kann man auch nicht einfach so bestrafen, ohne den gesamten Umfang zum Massstab zu geben.

Nehmen wir das Verbot des außerehelichen Geschlechtsverkehr als Beispiel.

Zunächst einmal ist es absolut verboten, eine Frau und einen Mann ohne Beweis zu beschuldigen. Es müssen vier männliche Zeugen gesehen haben, dass ein uneheliches Paar Geschlechtsverkehr hatte. Es muss geklärt werden, ob beide nicht doch vorher geheiratet haben, nur vielleicht aus Unwissenheit, nicht den richtigen Rahmen eingehalten haben. Beide sollen sich einen Waly (männlichen Vertreter) nehmen, um die Mahr (Brautgabe) auszuhandeln und auch, um einen Ehevertrag zu verhandeln und die nötige Erlaubnis zu erhalten. Das Paar darf nicht ohne Erlaubnis heiraten. Es muss geklärt werden, ob einer von beiden nicht Geisteskrank ist oder womöglich vielleicht garnicht wusste, dass er eine Straftat beging. Es kann auch sein, dass der Geschlechtsverkehr ohne Einvernehmlichkeit passierte, die Frau vergewaltigt wurde.

 

Das Strafmaß ist unterschiedlich,  je nachdem, ob der Täter/ die Täterin verheiratet war oder ledig.

 

Und das Allerwichtigste an der Sache ist, dass ich nicht urteilen darf, ohne einen Beweis zu bringen aus Quran und Sunna. Wenn ich also nicht in der Lage bin, die Umstände zu beweisen, ab wann ich ein Verbot betrete, dann kann ich auch nicht in der Lage sein, eine Strafe auszusprechen. Deswegen ist es unbedingt nötig, Vergehen, welcher Art auch immer, vor einen unabhängigen Richter zu bringen. Denn genau in diesem Moment brauche ich einen Qadi, der allen Beteiligten beweist, dass das, was ich eben behauptet habe, richtig ist.

Und dabei geht es nicht nur darum, das Vergehen, wenn es denn tatsächlich eins war, richtig zu beschreiben und einzuordnen, sondern es geht auch darum, das Strafmaß festzulegen oder freizusprechen.

„Wo sind die Zeugen und wie willst Du das beweisen?“, wird die erste Frage sein.