"Und Allah leitet, wen er will, auf einen geraden Weg" (Quran 2: 213)

"Wahrlich, dieser Quran leitet zum wirklich Richtigen".  (Quran 17:9)

 
 

Der Gottesdienst im Islam

IV Die Zakat 

 

 

Als Zakat bezeichnet man die Pflichtabgabe nach dem Vermögen.

Das Wort bedeutet „Reinigung“ und „Wachstum“. Sadaqa ist ein Synonym für Zakat.

 

„Die Almosen sind für die Armen, die Bedürftigen, diejenigen, die damit beschäftigt sind, diejenigen, deren Herzen vertraut gemacht werden, (dem Loskauf) von Sklaven, die Verschuldeten,auf Allahs Weg und für den Sohn des Weges, als Verpflichtung von Allah. Allah ist Allwissend und Allweise.“ 

(Quran 9:60)

 

All diese Menschen haben ein Recht auf die Abgabe. Das Zakat vervielfacht das Vermögen des Muslims von Gott. Der Prophet Muhammad,Friede und Segen auf ihn, sagte: „Kein Vermögen eines Menschen wird durch Sadaqa vermindert! Auch keinem Menschen wird Unrecht zugeführt, und er bleibt dabei standhaft, ohne das Allah ihm noch mehr Ehre verleiht.Und kein Mensch öffnet eine Tür zum Betteln, ohne das Allah ihm eine Tür zur Armut öffnet.“

Die Abgabe schützt den Muslim vor Geiz und Habsucht. Er erlernt verantwortungsbewussten Umgang mit seinem Vermögen und es für Allah auszugeben.

 

„Diejenigen, die von ihrem Vermögen nachts und am Tage, insgeheim und öffentlich geben, diese haben ihre Belohnung bei ihrem Herrn und um sie gibt es weder Angst, noch werden sie traurig sein.“ (Quran 2:274)

 

Die Abgabe schützt den Muslim vor Überbewertung des Diesseits. Allah verspricht ihm dafür die Vermehrung des Geldes.

Der Empfänger kann sich so aktiv an der Gesellschaft beteiligen. Er empfindet dadurch keinen Neid, Missgunst und Hass auf Wohlhabende.Die Bedürftigen brauchen nicht Bitten, da sie berechtigt sind an einem Anteil, der Gebende ist ihm verpflichtet. So entsteht eine Partnerschaft. Auf diese Weise wird das Wirtschaftswachstum angekurbelt. Da nicht sinnlos gehortet, sondern stets gewinnbringend gewirtschaftet wird. Auch Bedürftige können aktiv am Wachstum beitragen.

Zakat beugt der Unzucht vor, mindert das Betteln und schützt vor Kriminalität. Außerdem kommt die Hilfe ohne Umwege,direkt da an, wo sie gebraucht wird.

Die Bedürftigen werden vor Ignoranz, Arroganz, Gleichgültigkeit, Diskriminierung und Rassismus geschützt. Auf diese Weise wird Gleichheit, Mitgefühl, Verantwortung und Solidarität gefördert.

 

Die Pflicht zur Zakat hat man:

als Muslim

 wenn man geschlechtsreif ist

 bei angemessenen Vermögenswerten (arab. Nisaab)

 

Die Zakat wird ein mal jährlich zu keinen bestimmten Zeitpunkt fällig. Der Pflichtige kann sich den Zeitpunkt selber, innerhalb eines Jahres aussuchen oder auch im Voraus bezahlen. Für Geld zahlt man innerhalb eines Jahres, bei Zakat von Landwirtschaftsertrag und Bodenschätze dagegen sofort.

 

Man zahlt Zakat für

I  Viehbestand

 (ohne Nutztiere und Futtertiere, weil sie verkauft werden)

- Ab 40- 120 Ziegen /Schafe = ein weibliches Tier

121- 200                                 =zwei Schafe /zwei Ziegen

- Ab 30 - 39 Rindern            = ein einjähriger Bulle

40- 59                                            =eine zweijährige Kuh

Kamele (5 Tiere)                      = (ab 24 Tiere al Ersatz Schafe)

Die Tiere dürfen nicht krank sein, alt oder behindert. Das Geschlecht muss eingehalten werden. Das Tier muss von mittlerer Qualität sein.

 

II Zakat für tierische Produkte

- für Honig

- Für Fleisch, Milch, Milchprodukte, Seide, Eier, Leder, Wolle

10% des aktuellen Verkaufswert (Netto)

 

III Zakat für die Landwirtschaft

„Esst von den Früchten, wenn sie Früchte tragen, dann gebt ihren Pflichtanteil am Tag der Ernte“

(Quran 6:41)

Für Erträge durch Bodenbestellung und Ackerbau

Ab 653 kg                                 =10% (natürliche Bewässerung)

                                                       =5 % (künstliche Bewässerung)

                                                       =7,5% (bei halbjährlicher Bewässerung)

Der Pächter entrichtet Zakat für die Erträge und der Eigentümer für die Pachteinnahmen. 

 

IV Zakat für Lohn, Gehalt und Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit

Nisaab > 85g Gold (Gegenwert)

- Man muss mindestens 1 Jahr lang Besitzer oder Eigentümer mit uneingeschränkter Verfügung sein.

= 2,5% der Gesamteinnahmen

 

V Zakat auf Bodenschätze (Erdöl, Metalle, Mineralöle)

- Entrichtung nach der Förderung

= 2,5% des Produktes bzw. Des Verkaufswert (wie Gold und Silber)

 

VI Zakat für Aktien

(Der Handel mit Halalaktien ist erlaubt, da  keine Zinsen erzielt werden)

Nisaab > 85g Gold (Gegenwert)

= 2,5% des aktuellen Marktwertes

Bezahlt die AG Zakat, ist sie getilgt.

 

VIII Zakat auf Wertpapiere (Obligationen, Schuldverschreibungen)

Das ist auf Grund der Zinsen verboten, für die Wertpapiere zahlt man Zakat.

Nisaab > 85g Gold (Gegenwert)

= 2,5% des Nennwertes ohne Zinsen

Zinsen müssen zurück gegeben werden oder an Arme verteilt werden.

 

IX Zakat auf Immobilien und Grundvermögen

Nisaab > 85g Gold (Gegenwert)

= Grundgewinn und Gesamtgewinn, davon 2,5%

 

X Zakat für Gold und Silber

„Denjenigen, die Gold und Silber horten und nicht auf Allahs Weg ausgeben, überbringe ich die „frohe Botschaft“ einer qualvollen Peinigung, am Tag, an dem Gold und Silber im Feuer von der Hölle erhitzt werden, dann damit ihre Stirn, ihre Seite und ihre Rücken gebrandmarkt werden. Dies ist, was ihr für euch selbst gehortet habt. Also erfahrt, was ihr gehortet habt. (Quran 9:34-35)

Nisaab > 85g Gold (Gegenwert) = 2,5% vom Gesamtbetrag

Nisaab > 595g Silber (Gegenwert)= 2,5% Gesamtbetrag

 

XI Zakat für Kapitalvermögen

( Barvermögen, Bankguthaben, Ersparnisse etc.)

Nisaab > 85g Gold (Gegenwert) = 2,5% vom Gesamtbetrag 

 

XII Zakat für Schmuck und Dekorationsmittel

Dekorationsmittel aus Gold und Silber sind haram (verboten), aber trotzdem zakatpflichtig.

= 2,5% des aktuellen Gold- bzw. Silberwertes

- Goldschmuck für Männer ist verboten, Silberschmuck ist zakatpflichtig

- Frauen dürfen Gold- und Silberschmuck tragen, müssen dafür aber Zakat bezahlen.

Abgabe wie bei Gold und Silber

 

Zakat darf nicht ausgezahlt werden an

  • Nichtmuslime
  • Vermögende Muslime ( ausgenommen derer, die trotz Arbeit für ihren Lebensunterhalt nicht aufkommen können.
  • Muslime, die schwere Sünden begehen (Unzucht, Alkoholkonsum, Glücksspiel, Bestechung)
  • Vermögende Muslime ( Männer dürfen nur Zakat an Verwandte zahlen, zu deren Unterhalt sie nicht verpflichtet sind.
  • Die Familie des Propheten (die Bani Haschim und Bani Abdul- Muttalib. Weder Zakat noch freiwillige Spenden)

 

Sanktionen wegen Unterlassung

„Jede Gemeinschaft, welche die Zakat verweigert, wird von Allah durch Dürre und Hungersnot geprüft,“ (Imam Al Haakim)

„Wer die Zakat verweigert, von dem werden wir sie gewiss nehmen und dazu noch die Hälfte seines Vermögens.“ (Imam Ahmad Bnu-schaib An-nasaaiy)

Sollte man irrtümlich an unberechtigte Empfänger gezahlt haben, braucht man die Zakat nicht erneut zahlen. Wird dies absichtlich gemacht, ist die Zakat ungültig und muss erneut gezahlt werden. Nichtberechtigte Zakatempfänger müssen die irrtümlich gezahlte Zakat sofort zurück zahlen.

 

Zakat alfitre

Wird zum Ende des Ramadan von Kindern und Erwachsenen gezahlt. Sie wird als Reinigung für die Verfehlungen während des Fastens angesehen.

Die Höhe entspricht (ca. einer Handvoll) Weizen, Datteln oder Rosinen. Je nach Kurs des Landes ist sie unterschiedlich hoch.In Deutschland beträgt sie 5-7 Euro und liegt im Gegenwert einer einfachen Mahlzeit im jeweiligen Land.

 

*Sollte man während des Jahres versterben, zahlen die Erben vor der Verteilung des Vermögens das Zakat.